Brent-Öl behauptet sich bei 98 Dollar: Asiatische Börsen laufen auseinander
Brent-Rohöl notiert weiter nahe der 98-Dollar-Marke und zeigt technische Überkauft-Signale, während die asiatischen Börsen ein gespaltenes Bild liefern: Der japanische Nikkei 225 legte kräftig zu, während die Märkte in Saudi-Arabien und Indien nachgaben.

Die internationalen Finanzmärkte präsentieren sich zu Wochenbeginn mit unterschiedlichen Vorzeichen: Während die Nordseesorte Brent weiterhin um die 98-Dollar-Marke pendelt und technische Indikatoren eine Überhitzung anzeigen, fallen die asiatischen Börsen mit einem gemischten Bild auf. Der Tadawul-Index aus Saudi-Arabien sowie die indischen Aktienmärkte verloren an Boden, wohingegen der japanische Nikkei 225 mit einem satten Plus von über zwei Prozent für Aufsehen sorgte.
Brent-Rohöl mit Liefertermin November bewegt sich in einer Handelsspanne zwischen 96,70 und 97,54 US-Dollar je Barrel und demonstriert damit eine beachtliche Stärke. Die technische Betrachtung des 5-Stunden-Charts offenbart einen steilen Aufwärtstrend, wobei der Kurs deutlich oberhalb des 200-Perioden-Durchschnitts von 88,67 Dollar notiert. Der Average Directional Index (ADX) von 28,80 untermauert die Stabilität dieser Bewegung, und die Tatsache, dass sich der Vermögenswert oberhalb der Ichimoku-Wolke behauptet, verleiht dem aktuellen Bullenlauf ein solides strukturelles Fundament.
Technische Vorsignale trotz bullischer Tendenz
Allerdings warnen Beobachter vor einer unüberlegten Jagd nach der Rallye. Der Relative Strength Index (RSI) steht bei 74,53 und damit eindeutig in überkauften Gefilden. Zudem nähert sich der Kurs dem oberen Bollinger-Band an. Diese Kennzahlen, gepaart mit einem MACD-Cross-down (1,48 unter 1,51), lassen darauf schließen, dass die Aufwärtsdynamik trotz des freundlichen Trends allmählich erlahmen könnte.
Fachleute empfehlen eine abwartende Haltung. Konkret raten sie dazu, auf eine mittlere Reversion in die Zone um 93,40 bis 94,50 Dollar zu warten. Diese Unterstützungsregion, untermauert durch den SuperTrend und die Kijun-Linie, biete ein wesentlich attraktiveres Risiko-Ertrags-Verhältnis als ein Einstieg auf dem gegenwärtigen Niveau. Wie es im Börsenjargon heißt: "In kräftigen Trends kommen die besten Gelegenheiten meist dann, wenn man darauf wartet, dass sich die Dynamik abkühlt. Überkauft bedeutet nicht Umkehr – es bedeutet, wählerisch zu sein, nicht gierig."
Saudi-Arabien: Tadawul gerät unter Druck
Der saudische Aktienmarkt geriet am Montag unter Verkaufsdruck. Der Tadawul All Share Index schloss 0,40 Prozent im Minus. Die Sitzung war von einer breit angelegten Abwärtsbewegung geprägt: 223 gefallene Titel standen lediglich 108 Gewinnern gegenüber. Die Branchen Transport, Landwirtschaft & Nahrungsmittel sowie Medien & Verlagswesen zählten zu den größten Verlierern. Besonders ins Auge sticht: Saudi Ground Services Co (TADAWUL:4031) fiel auf ein Drei-Jahres-Tief und büßte 6,95 Prozent auf 24,62 Rial ein. Positiv abheben konnte sich hingegen Banan Real Estate Company SJSC (TADAWUL:4324) mit einem Anstieg von 8,00 Prozent.
Indien: Nifty 50 fällt auf Einmonatstief
Auch die indischen Börsen präsentierten sich schwach. Der Nifty 50 verlor 0,57 Prozent und markierte ein neues Einmonatstief, während der BSE Sensex 30 um 0,50 Prozent nachgab. Die Sektoren IT, Immobilien und Metalle führten die Verliererliste an. Infosys Ltd (NSE:INFY) belastete die Indizes mit einem Minus von 3,78 Prozent im späten Handel. Der India VIX, der die implizite Volatilität misst, kletterte um 3,77 Prozent auf 11,08 und signalisiert damit eine wachsende Zurückhaltung der Anleger.
Japan: Nikkei 225 mit deutlichem Plus
Ein gänzlich anderes Bild zeigte sich in Japan. Der Nikkei 225 legte um kräftige 2,02 Prozent zu. Die Sitzung wurde von starken Leistungen in den Segmenten Immobilien, Banken und Textilien getragen. SoftBank Group Corp. (TYO:9984) stach mit einem Kurssprung von 11,22 Prozent hervor, gefolgt von Kioxia Holdings Corp (TYO:285A) mit einem Plus von 9,31 Prozent. Der Nikkei-Volatilitätsindex gab um 3,99 Prozent nach, was auf eine Beruhigung der Marktstimmung hindeutet.
Australien: ASX 200 knapp im Plus
Der australische Markt beendete den Tag marginal im grünen Bereich. Der S&P/ASX 200 legte um 0,06 Prozent zu. Zugewinne in den Sektoren Energie, Rohstoffe und Materialien lieferten die nötige Stütze, um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen. Ingenia Communities Group (ASX:INA) verbuchte einen beachtlichen Anstieg von 15,34 Prozent, während Whitehaven Coal Ltd (ASX:WHC) um 7,51 Prozent zulegte.
Rohstoffe und Währungen im Fokus
Neben Brent-Rohöl zeigte sich der breitere Rohstoffkomplex uneinheitlich. Die Goldnotierungen gaben nach, wobei Dezember-Futures auf rund 4.440 Dollar je Feinunze fielen. Der US-Dollar-Index (DXY) präsentierte sich leicht schwächer und bewegte sich in der Spanne von 98,86 bis 99,09. Ein nachgebender Dollar gilt historisch als Rückenwind für in US-Dollar bepreiste Rohstoffe wie Erdöl. Die Marktteilnehmer richten den Blick nun darauf, ob Brent die Dynamik oberhalb der 97-Dollar-Marke aufrechterhalten kann oder ob die überkauften Bedingungen die erwartete Korrektur in die Unterstützungszone von 93 bis 94 Dollar auslösen werden.
