Chevron gegen Occidental: Wer liefert die stabilere Öl-Dividende?
Chevron bietet mit 3,5 Prozent Rendite und 38 Jahren Dividendenwachstum mehr Sicherheit als Occidental mit 1,9 Prozent und einer Kürzung im Jahr 2020. Trotz niedrigerer Ausschüttungsquote bei Occidental überzeugt Chevron durch finanzielle Stärke und Prior

Chevron (CVX) und Occidental Petroleum (OXY) gehören zu den bekanntesten Vertretern der US-Energiebranche. Für Anleger, die auf regelmäßige Erträge setzen, drängt sich die Frage auf: Welcher der beiden Ölkonzerne bietet die verlässlichere Dividendenpolitik? Chevron überzeugt momentan mit einer Rendite von 3,5 Prozent, die deutlich über dem breiten Markt liegt. Occidental kommt auf 1,9 Prozent – das übertrifft zwar die rund ein Prozent des S&P-500, bleibt aber klar hinter dem Rivalen zurück.
Die geringere Rendite von Occidental könnte allerdings für mehr Stabilität sprechen. Ein gründlicher Blick auf die finanziellen Kennziffern und die Historie der Unternehmen ist für Investoren unerlässlich.
Schwankungen im Energiesektor
Die Spannungen im Nahen Osten haben die globalen Energiemärkte zuletzt kräftig durchgeschüttelt. Die Notierungen für Öl und Erdgas schwanken stark, das Angebot ist begrenzt. Nachrichtenlage und Anlegerverhalten verursachen deutliche Ausschläge. Doch Volatilität ist in dieser Branche keine Seltenheit. Die Rohölpreise bewegen sich häufig auf und ab – und das mitunter heftig.
Für Dividendenorientierte bedeutet dies: Sie müssen den gesamten Konjunkturzyklus der Energiebranche im Blick haben, nicht nur die aktuelle Lage. Eine attraktive Rendite verliert ihren Reiz, wenn die Ausschüttung beim nächsten Preisverfall zusammengestrichen wird.
Die Ausschüttungsquote als Frühindikator
Die gängige Kennziffer zur Einschätzung der Dividendensicherheit ist die Ausschüttungsquote. Sie stellt die Dividende in Relation zum erzielten Gewinn. Liegt der Wert unter 100 Prozent, erwirtschaftet der Konzern mehr, als er an die Aktionäre weitergibt – ein positives Signal.
Auf den ersten Blick steht Occidental hier günstiger da. Die Ausschüttungsquote der zurückliegenden zwölf Monate beläuft sich auf rund 30 Prozent. Bei Chevron sind es etwa 66 Prozent. Allerdings hat dieser Vergleich eine Schwachstelle: Die Ölpreise bewegen sich derzeit auf einem recht hohen Niveau. Betrachtet man nur das vorherige Quartal, lagen beide Gesellschaften bei über 100 Prozent.
Diese Schwankungen verdeutlichen, warum Gewinnzahlen allein kein verlässlicher Gradmesser für die Sicherheit einer Dividende in einem zyklischen Sektor sind. Der wichtigere Faktor ist das Bekenntnis des Managements zur Ausschüttungspolitik.
Chevrons eindrucksvolle Dividendentradition
In dieser Disziplin hat Chevron klar die Nase vorn. Der Konzern hat seine Dividende 38 Jahre in Serie jedes Jahr angehoben. Occidental dagegen strich die Ausschüttung im Jahr 2020 zusammen, als die Ölpreise während der Corona-Pandemie einbrachen.
Der Hintergrund der Kürzung ist jedoch aufschlussreich. Kurz vor der Pandemie hatte Occidental den Wettbewerber Anadarko Petroleum übernommen. Um sich gegen Chevron durchzusetzen, bot Occidental einen höheren Preis und nahm dafür beträchtliche Schulden auf. Als die Ölpreise dann fielen, fehlte der finanzielle Spielraum. Das Unternehmen musste Liquidität schaffen und die Dividende reduzieren, um sich auf den Schuldenabbau zu konzentrieren.
Schuldenabbau bei Occidental – Chevron bleibt dennoch vorn
Occidental hat seine Verbindlichkeiten seither merklich zurückgefahren. Die Eigenkapitalquote (Debt-to-Equity-Ratio) fiel von 2x im Jahr 2021 auf heute lediglich 0,35x. Die Ausschüttung wäre heute nicht mehr mit dem gleichen Risiko verbunden wie damals.
Doch Chevron steht noch solider da. Die Eigenkapitalquote liegt bei nur 0,2x. Selbst während der Pandemie stieg sie lediglich auf 0,37x – also etwa auf dem Niveau, auf dem Occidental sich heute befindet.
Dazu kommt die schiere Größe: Chevron ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 390 Milliarden US-Dollar einer der größten Energiekonzerne weltweit. Occidental ist mit etwa 59 Milliarden US-Dollar zwar ebenfalls beträchtlich, gemessen am Rivalen jedoch deutlich kleiner.
Fazit: Chevron bietet mehr Sicherheit
Occidental hat höheres Wachstumspotenzial und will expandieren, um mit den Branchenriesen besser mithalten zu können. Doch dieser Anspruch hat bereits gezeigt, dass er die Dividende gefährden kann. Chevron dagegen hat eindrucksvoll bewiesen, dass die Ausschüttung oberste Priorität genießt und der Konzern finanziell stark genug ist, sie durch den gesamten Energiezyklus hindurch zu stemmen.
Gegen Occidental spricht nichts – es handelt sich um ein solide geführtes Energieunternehmen. Doch wer auf die Zuverlässigkeit der Dividende achtet, für den ist Chevron die verlässlichere Ertragsquelle. Rechnet man die höhere Rendite von 3,5 Prozent hinzu, ergibt sich ein klarer Vorteil, auch wenn die Ausschüttungsquote auf den ersten Blick eine andere Sprache spricht.
