Eskom trotzt Absatzschwund mit Tariferhöhungen und neuen Nachfragequellen
Eskom verzeichnet trotz eines Absatzrückgangs auf 178 TWh einen Gewinnsprung auf 30,3 Mrd. Rand und setzt auf ermäßigte Tarife für Ferrochrom-Schmelzöfen sowie neue Nachfragequellen wie Rechenzentren und Bitcoin-Mining, während die Verschuldung der Kommun

Der staatliche Stromversorger Südafrikas, Eskom, durchläuft einen fundamentalen Umbruch. Seit über einem Jahrzehnt fallen die Verkaufszahlen, und dieser Abwärtstrend hat sich jüngst noch verstärkt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2026 belief sich der Jahresabsatz auf 178 TWh – ein Minus von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Geschäftsjahr 2012 wurden noch über 224 TWh abgesetzt.
Besonders hart traf es den Industriekundenbereich. Dort brachen die Verkäufe um 9,7 TWh beziehungsweise 22,5 Prozent im Jahresvergleich ein. Als Hauptgrund nennt Eskom die sinkende Nachfrage aus den noch aktiven Ferrochrom-Schmelzöfen des Landes.
Deutlicher Gewinnsprung trotz Absatzflaute
Ungeachtet der rückläufigen Verkaufsmengen meldete Eskom für 2026 einen kräftigen Gewinnanstieg auf 30,3 Milliarden Rand (R), nach einem nachträglich revidierten Vorjahreswert von 14 Milliarden Rand. Die Erlöse kletterten auf 354,7 Milliarden Rand, verglichen mit 340,8 Milliarden Rand im Jahr 2025. Verantwortlich hierfür waren höhere Tarife und verlässlichere Betriebsabläufe.
Diese Stabilisierung half dem Unternehmen zudem, die Ausgaben für Diesel massiv zu reduzieren – von 18 Milliarden Rand auf 7 Milliarden Rand. Vor zwei Jahren belief sich dieser Posten noch auf über 36 Milliarden Rand.
Der anhaltende Absatzrückgang fiel mit deutlichen Tariferhöhungen und Versorgungsausfällen zusammen, die Eskom inzwischen weitgehend in den Griff bekommen hat. Zeitgleich führten Strommarktreformen dazu, dass Großverbraucher Verträge mit unabhängigen Erzeugern und Händlern abschlossen. Auch die Zahl dezentraler Solar-PV-Anlagen stieg rasant.
Vergünstigte Strompreise für Schmelzöfen
Um die Produktion wiederzubeleben, verlängerte Eskom einen ermäßigten Tarif von 62 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Dieser soll die Wiederinbetriebnahme der zur Samancor Chrome gehörenden Schmelzöfen sowie des Glencore-Merafe Chrome Venture fördern. Zudem wurde mit der Manganese Metal Company ein nicht näher bezifferter Vorzugstarif ausgehandelt.
Eskom bestätigte, dass mit diesen Lieferungen kein Gewinn erzielt wird. Das Unternehmen argumentiert jedoch, dass die Vereinbarungen ausreichen, um die variablen Kosten zu decken und einen Fixkostenbeitrag zu leisten. Die Entscheidung, das überschüssige Volumen von 2 GW bis 3 GW zu „monetarisieren“, basiere auf einer Kosten-Nutzen-Analyse, die Vorteile für Eskom ergebe, da die Grundlastnachfrage im Rahmen laufender Take-or-Pay-Kohlelieferverträge aufrechterhalten werde.
Neue Absatzmärkte gesucht
CEO Dan Marokane erklärte, dass Eskom verschiedene Vorhaben zur Sicherung und Steigerung der Nachfrage prüfe. Dazu zählen die zusätzliche Auslastung durch Rechenzentren, die Gewinnung flexibler Lasten in Form eines Pilotprojekts für Bitcoin-Mining sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.
Außerdem möchte Eskom Südafrikas Rolle als regionales Strom-Drehkreuz stärken, um die Exportverkäufe zu erhöhen. Allerdings gingen die internationalen Verkäufe im Jahr 2026 um 1,2 TWh beziehungsweise 8,3 Prozent zurück.
Der Minister für Elektrizität und Energie, Dr. Kgosientsho Ramokgopa, erklärte, der Rückgang der Eskom-Verkäufe müsse vor dem Hintergrund der Maßnahmen des Energy Action Plan zur Bewältigung der Load-Shedding-Krise betrachtet werden. Diese Schritte hätten dazu beigetragen, den Stromsektor von der „Selbstzufriedenheit des Monopols“ zu befreien.
Alarmsignale einer „Utility Death Spiral“
Der Verkaufseinbruch wurde nicht als Hauptrisiko für Eskom eingestuft. Stattdessen wurde der weiter steigende Schuldenberg der Kommunen in Höhe von 119 Milliarden Rand als Problem benannt. Dennoch deuten die Entwicklungen auf eine mögliche „Utility Death Spiral“ hin, bei der Tariferhöhungen genutzt werden, um den Absatzrückgang zu kompensieren, was wiederum weitere Kundenabwanderungen auslösen könnte.
Eskom bekräftigte sein Ziel, künftig Tariferhöhungen im einstelligen Prozentbereich zu halten. Der Fokus liege aktuell auf der „Optimierung der Kosten, der Stabilisierung der kommunalen Rückstandsschulden, der Eindämmung des Absatzverfalls und der Diversifizierung der Einnahmequellen“.
Finanzielle Abhängigkeit vom Steuerzahler
Der scheidende CFO Calib Cassim betonte, dass Eskom trotz der positiven Zahlen finanziell noch nicht über den Berg sei. Das Unternehmen sei weiterhin auf staatliche Hilfen angewiesen, konkret auf fortlaufende Zuführungen im Rahmen des R230-Milliarden-Schuldenentlastungsprogramms.
Im Zeitraum bis zum 31. März 2026 erhielt Eskom 80 Milliarden Rand in Form eines Aktionärsdarlehens, ein Anstieg gegenüber 56 Milliarden Rand im Vorjahr. Diese Mittel waren entscheidend, um eine positive Liquiditätsposition zu sichern und die Schuldenlast zu verringern. Die Gesamtverbindlichkeiten sanken von 424 Milliarden Rand im Jahr 2023 auf 320 Milliarden Rand im Jahr 2026.
Cassims Erbe
Cassim nutzte seine letzte Ergebnispräsentation, um aufzuzeigen, wie Eskom künftig ohne weitere Steuergelder zur finanziellen Nachhaltigkeit zurückfinden könnte. Die Steuerzahler hatten das Unternehmen in den letzten zehn Jahren mit insgesamt 480 Milliarden Rand gestützt.
Er unterstrich die Bedeutung der Lösung des kommunalen Schuldenproblems von 119 Milliarden Rand, während gleichzeitig Stromdiebstahl eingedämmt und die Verkäufe gesteigert werden müssten. Allein im Geschäftsjahr 2026 seien aufgrund der kommunalen Zahlungsrückstände und des Diebstahls von 13 TWh Strom rund 46 Milliarden Rand an Einnahmen verloren gegangen.
„Wenn wir künftig 50 Prozent davon sichern können, ergibt sich daraus ein Ausgangspunkt von mehr als 20 Milliarden Rand pro Jahr, den wir zuvor nie hatten“, sagte Cassim. Der Weg zur finanziellen Nachhaltigkeit hänge nun vom Eintreiben fälliger Forderungen, der Reduzierung
