Goldrallye von Anlegern getrieben: ETFs und Futures als Kurstreiber
Ein WGC-Analyst zeigt: Die Goldrallye wird primär von Investoren über Futures und ETFs getrieben, nicht von Zentralbanken oder Anleihemärkten – für Rohstoffanleger bleibt das Edelmetall damit fundamental gestützt.

Der Goldpreis vollzog im August einen markanten Satz nach oben und pendelte zeitweise um die Schwelle von 4.700 US-Dollar pro Feinunze. Die entscheidende Frage lautet: Welche Kräfte befeuern diesen Höhenflug wirklich? Ein Experte des World Gold Council (WGC) liefert nun eine präzise Analyse: In erster Linie sind es die Kapitalanleger, nicht die Rentenmärkte oder die Notenbanken, die den Kurs antreiben.
Krishan Gopaul, Chefanalyst für die Region EMEA beim World Gold Council, rät davon ab, die jüngste Preisentwicklung ausschließlich mit dem Schritt der US-Schatzbehörde zur Ausdehnung ihrer Anleiherückkäufe zu erklären. Die Ankündigung erfolgte zwar zeitgleich mit dem Preissprung, doch Gopaul bewertet sie eher als Verstärker eines bereits vorhandenen Trends denn als Auslöser einer frischen Bewegung.
„Am Markt wirken weiterhin diverse andere bedeutende Einflussfaktoren auf die globalen Notierungen“, erläuterte Gopaul gegenüber Investing.com. „Die Rückkaufankündigung schien jedoch vor dem Hintergrund der Besorgnis über die zunehmende Verschuldung – in den USA und international – einen bestehenden Trend zu beschleunigen, anstatt einen völlig neuen zu initiieren.“
Anlageinteresse als zentrale Triebfeder
Die maßgebliche Kraft hinter der Goldrallye ist nach Einschätzung Gopauls die Nachfrage aus dem Investmentsektor. Diese habe sich ab Juli merklich intensiviert. Ein Blick auf die Statistik untermauert diese Einschätzung: Weltweit verzeichneten physisch gedeckte Gold-ETFs im Juli Nettozuflüsse von drei Milliarden US-Dollar, womit zwei aufeinanderfolgende Monate mit Kapitalabflüssen beendet wurden. Im August kamen weitere Zuflüsse in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar hinzu.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in den beiden bevölkerungsstärksten Nationen der Erde. Sowohl in China als auch in Indien zeigte sich eine spürbar verbesserte Anlagenachfrage. „Die jüngste Etappe der Rallye scheint vorwiegend vom Investmentinteresse getrieben worden zu sein, insbesondere durch Futures-Positionen und Mittelzuflüsse in goldgedeckte ETFs, und nicht durch eine schlagartige Zunahme der physischen Nachfrage im Privatkundensegment“, konstatierte Gopaul.
Die physische Konsumentennachfrage habe lediglich einen geringfügigen Beitrag geleistet, so der Analyst. Diese Unterscheidung ist bedeutsam, denn in früheren Goldrallyes spielte die Nachfrage aus der Schmuckbranche oder von Privatanlegern in Schwellenländern häufig eine gewichtigere Rolle.
Notenbanken als verlässliche Stütze, nicht als Antrieb
Ein weiteres häufig genanntes Argument für den Goldpreisanstieg sind die Zukäufe der Zentralbanken. Auch hier nimmt Gopaul eine abgestufte Betrachtung vor. Er bezeichnet die Käufe der Notenbanken als eine wesentliche fundamentale Stütze des Marktes, nicht jedoch als den primären Auslöser für den jüngsten Preisschub.
„Es ist schwieriger, die Zentralbankkäufe als unmittelbaren Impulsgeber für eine Rallye zu identifizieren, die sich über mehrere Wochen erstreckt“, führte er aus. „Wir würden die Käufe der Notenbanken als eine bedeutende unterliegende Stütze des Marktes beschreiben und nicht als den hauptsächlichen Auslöser für den jüngsten Anstieg.“
Für das laufende Jahr rechnet Gopaul damit, dass die Zukäufe des offiziellen Sektors kräftig bleiben werden, jedoch unterhalb des Niveaus von 2025. Dies deutet darauf hin, dass die Zentralbanken weiterhin als zuverlässige Abnehmer auftreten, ohne jedoch kurzfristige Preisspitzen zu provozieren.
Ausblick: Günstige Rahmenbedingungen mit Gegenwindrisiken
Für den weiteren Jahresverlauf bewertet Gopaul die Rahmenbedingungen für Gold grundsätzlich als positiv. Allerdings dürften Unsicherheit und eine allgemein erhöhte Volatilität den Gesamtmarkt beeinflussen. Der Analyst nennt konkrete Szenarien, die den Goldpreis in beide Richtungen bewegen könnten.
„Ein erneuter Anstieg der langfristigen Realzinsen, ein festerer Dollar oder eine restriktivere Haltung der Federal Reserve als erwartet könnten kurzfristig Gegenwind erzeugen“, merkte Gopaul an. Diese Faktoren würden die Opportunitätskosten des Goldbesitzes erhöhen und den Kurs belasten.
Auf der anderen Seite gebe es ebenfalls positive Impulse: „Umgekehrt würden eine weitere Schwäche des US-Dollar, erneuter Abwärtsdruck auf die Realzinsen, anhaltende ETF-Zuflüsse oder eine Zuspitzung fiskalischer und geopolitischer Risiken das Gold stützen.“ Speziell die fiskalischen Gefahren – Stichwort steigende Staatsverschuldung in den USA und anderen Ländern – dürften ein Dauerbrenner bleiben, der Anleger in den sicheren Hafen Gold treibt.
Für Rohstoffanleger bleibt Gold damit ein unverzichtbarer Bestandteil der Portfoliostrategie. Die gegenwärtige Rallye wird nicht von spekulativen Übertreibungen angetrieben, sondern von einer fundamentalen Umschichtung institutioneller und privater Investoren in das Edelmetall. Die Mischung aus anhaltenden Zentralbankkäufen, steigenden ETF-Zuflüssen und makroökonomischen Unsicherheiten spricht für ein weiterhin günstiges Umfeld – auch wenn kurzfristige Korrekturen aufgrund von Dollarstärke oder Zinsentscheidungen jederzeit eintreten können.
