Kobaltvergütung im freien Fall: Indonesiens Nickelproduzenten geraten in die Zange
Chinesische Batteriehersteller erzwingen niedrigere Kobaltvergütungen, was den Margendruck auf indonesische Nickelproduzenten zusätzlich verschärft. Die Payables für Kobalt in MHP fielen von 90 auf 67 Prozent, während Produktionskosten für Erz und Schwefe

Chinesische Hersteller von Batterien für Elektroautos pochen auf niedrigere Abschläge beim Kobaltpreis, was den Kostendruck auf die Nickelproduzenten in Indonesien weiter erhöht. Dies berichten drei mit den Vorgängen vertraute Personen übereinstimmend der Nachrichtenagentur Reuters. Die Betreiber in Indonesien kämpfen bereits mit gestiegenen Ausgaben für Erz und Schwefel. Nun kommt zusätzlicher Gegenwind von der Abnehmerseite hinzu.
Bislang haben vornehmlich Zwischenhändler die Folgen der gesunkenen Kobaltvergütungen aufgefangen. Doch der Druck werde sich Prognosen von Marktbeobachtern zufolge bald auf die indonesischen HPAL-Anlagenbetreiber (Hochdruck-Säurelaugung) verlagern. Zwei der Informanten, die selbst als Produzenten tätig sind, rechnen damit spätestens dann, wenn im vierten Quartal die Lieferverträge für das Folgejahr neu verhandelt werden.
Kobaltvergütung bricht ein
Das von indonesischen HPAL-Herstellern erzeugte Mixed Hydroxide Precipitate (MHP) enthält sowohl Nickel als auch Kobalt – beide unverzichtbar für die Batteriefertigung. Die Vergütung für den Kobaltanteil, fachsprachlich als Payables bezeichnet, ist zuletzt drastisch gesunken. Aktuell zahlen Abnehmer nur noch 67 Prozent des Kobaltmetallpreises für das in MHP enthaltene Kobalt. Anfang des Vormonats lag dieser Satz noch bei rund 90 Prozent.
Die Rohstoffbeschaffungstochter Brunp des Batteriekonzerns CATL (Contemporary Amperex Technology Company) habe MHP zu 67 Prozent gesichert, erklärten zwei der Informanten. Der Batteriematerialhersteller CNGR Advanced Material habe MHP zu etwa 70 Prozent erworben, berichtete eine weitere Quelle. Alle Informanten baten um Vertraulichkeit, da sie nicht befugt waren, öffentlich Auskunft zu geben. Brunp, CATL und CNGR reagierten zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.
Händler in der Zange
Zwei der Quellen zufolge gehörte der chinesische Rohstoffhändler Xiamen Xiangyu zu den Ersten, die niedrigere Konditionen akzeptierten und Brunp zu etwa 75 Prozent belieferten. Xiamen Xiangyu widersprach dieser Schilderung und betonte, die von Reuters gesammelten Marktdaten bildeten die tatsächliche Lage nicht korrekt ab. Der Konzern verwies stattdessen auf seine öffentlichen Bekanntmachungen.
Nach den Abschlüssen von Xiamen Xiangyu seien weitere Geschäfte zu ungefähr 70 Prozent und darunter gefolgt, da Händler zunehmend unter Verkaufszwang gerieten, ergänzten die Informanten. Ein fortgesetzter Rückgang der Kobalterlöse könnte manche Produzenten mit höheren Kosten dazu zwingen, ihre Produktion zu reduzieren, warnten zwei der befragten Marktteilnehmer.
Hohe Payables waren Ausnahmeerscheinung
Mehrere Händler und Produzenten bewerteten die zuvor gültigen Payables von rund 90 Prozent als außergewöhnlich hoch. Diese waren durch knappe Lieferungen aus der Demokratischen Republik Kongo gestützt worden, nachdem der weltgrößte Kobaltproduzent seine Exporte gedrosselt hatte. Die Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Payables auch dann unter dem Niveau von 90 Prozent verharren, wenn die Kobaltmetallpreise nachgeben sollten.
Auch die Payables für Kobalthydroxid, das aus Kongo verschifft wird, sind in den vergangenen Wochen rückläufig. Ursache ist, dass sich die Lieferungen nach China erholen, nachdem im Oktober ein Quotensystem das zuvor geltende Exportverbot abgelöst hat.
Importzahlen zeichnen klares Bild
Die Entwicklung zeigt sich auch in den chinesischen Importstatistiken. Im Juli importierte China 15.970 Tonnen Kobaltzwischenprodukte aus Kongo – der höchste monatliche Wert seit Juni des Vorjahres. Allerdings liegt diese Menge noch immer rund 67 Prozent unter den Juli-Importen des Jahres 2024, die 48.745 Tonnen betrugen. Noch deutlicher fällt der Rückgang im Vergleich zum Januar 2025 aus, dem letzten vollständigen Monat vor den Exportbeschränkungen in Kongo: Die Juli-Importe liegen fast 70 Prozent unter diesem Wert.
Für die indonesischen Nickelproduzenten bedeutet dies eine doppelte Belastung. Auf der einen Seite klettern die Produktionskosten für Erz und Schwefel, auf der anderen Seite schrumpfen die Einnahmen aus dem Kobalt-Nebenprodukt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten vor allem Produzenten mit höheren Kostenstrukturen gezwungen sein, ihre Fertigung anzupassen. Die Verhandlungen über die Liefervereinbarungen im vierten Quartal werden zeigen, wie stark der Druck tatsächlich auf die indonesischen HPAL-Betreiber durchschlägt. Für Anleger in Rohstoffwerte bleibt die Entwicklung der Kobaltvergütungen daher ein entscheidender Indikator.
