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Lithium-Preise sinken, Batteriemarkt boomt

Niedrige Rohstoffkosten und steigende Nachfrage treiben die Gewinne im Speichersegment an

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Lithium-Preise sinken, Batteriemarkt boomt

Nach sieben Jahren schreibt das Batteriespeicher-Start-up Fluence erstmals schwarze Zahlen. „Der Markt läuft gerade so gut, dass wir unsere Marge im Vergleich zum Vorjahresquartal fast verdoppeln können und dieses Jahr erstmals ein positives Ebitda erwarten“, sagt CEO Julian Nebreda im Gespräch mit dem Handelsblatt. Fluence ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Münchener Elektrotechnikspezialisten Siemens und des nordamerikanischen Energiekonzerns AES, das sich auf die Produktion von Großspeichern für das Stromnetz spezialisiert hat. Allein im vergangenen Jahr haben sich die Kosten für die Herstellung von Batterien um etwa 40 Prozent reduziert, was hauptsächlich auf gesunkene Rohstoffpreise, insbesondere von Lithium, zurückzuführen ist.

Lithium ist ein essenzieller Rohstoff für die Herstellung von Zellen für Lithium-Ionen-Batterien, die unter anderem in Elektroautos, Smartphones und Netzspeichern verwendet werden. Noch vor einigen Monaten war Lithium knapp und teuer, getrieben durch die hohe Produktion von Elektroautos. Da die Nachfrage nach Elektroautos derzeit jedoch stark sinkt, ist auch der Preis des Rohstoffs erheblich gesunken. Innerhalb eines Jahres ist der Kurs für eine Tonne Lithium von über 75.000 US-Dollar auf 12.325 Dollar gefallen. Im Stromsektor hingegen wächst die Nachfrage. Windkraft- und Solaranlagen produzieren auch dann Strom, wenn ihn gerade niemand braucht, was sie von Kohle- oder Atomkraftwerken unterscheidet, deren Produktion sich flexibel steuern lässt. Um das Netz bei einem zunehmenden Anteil an grünen Energien stabil zu halten, werden daher große Speicher benötigt, die überschüssigen Strom kurzfristig speichern und bei Bedarf wieder abgeben können.

Für diese Großspeicher wird ebenfalls die Lithium-Ionen-Technologie verwendet. Alternativen dazu sind Pumpspeicherkraftwerke und Redox-Flow-Batterien, die Energie mithilfe großer Flüssigkeitstanks speichern. Zudem gibt es die Power-to-X-Technologie, die überschüssigen Strom in Form von Gas speichert und bei Bedarf wieder in Strom umwandelt und ins Netz einspeist. „Es ist absolute Goldgräberstimmung im Batteriebereich“, beobachtet Till Stenzel, Partner bei dem europäischen Innovations-Investmentfonds Set Ventures. Die niedrigen Lithium-Preise heizen die hohe Nachfrage zusätzlich an.

Die Speicherbranche erwirtschaftete im vergangenen Jahr allein in Deutschland fast 16 Milliarden Euro, was im Vergleich zu 2022 ein Wachstum von 46 Prozent darstellt. Deutschlandweit dürfte die Leistung der Großspeicher bis 2037 auf rund 24 Gigawatt (GW) steigen, wie Berechnungen der Bundesnetzagentur ergeben. Gesetzliche Vorgaben, wie viele Batteriespeicher bis wann entstehen sollen, gibt es derzeit nicht. Erst im Dezember hatte die Bundesregierung eine lang erwartete Batteriestrategie veröffentlicht und führt nun Detailgespräche mit der Branche.

Bislang hat sich der Markt „auch ohne viel Unterstützung aus der Politik entwickelt“, sagt Fluence-CEO Nebreda. Neben den USA und Australien sei Deutschland heute der Markt mit der größten Nachfrage und dem größten Wachstumspotenzial. „Aber es gibt noch viel Potenzial, mit entsprechenden Regularien und Abbau von Barrieren den Markt nach vorn zu bringen.“ Einige Großprojekte sind aktuell in Planung, darunter ein Großspeicher des ostdeutschen Stromproduzenten Leag in der Lausitz mit einer Leistung von 750 Megawatt. Auch die Betreiber der Stromübertragungsnetze arbeiten an mehreren sogenannten „Netzbooster“-Projekten, die sekundenschnell an- und ausgeschaltet werden können, um das Netz zu stabilisieren und als Sicherheitspuffer zu dienen.

Die deutlich steigende Nachfrage nach Stromspeichern sorgt auch für einen härteren Wettbewerb. „Wir sehen eine Reihe von Firmen, die gerade mit neuen Batterietechnologien auf den Markt drängen“, sagt Investmentexperte Stenzel. Allerdings seien die Anlagen so stark standardisiert, dass die Firmen kaum Differenzierungsmöglichkeiten haben. „Es gibt Nischen, um sich zu differenzieren. Aber die Batteriezelle an sich ist ein Massenmarkt.“ Für Unternehmen wie Fluence könnte der Batterie-Boom daher auch schnell wieder vorbei sein. Auch in der europäischen Speicherbranche haben sich günstigere Anbieter aus China längst einen Namen gemacht.

Trotzdem zeigt sich Manager Nebreda zuversichtlich: „Die chinesischen Batteriehersteller sind nicht unsere Konkurrenz. Wir verkaufen Energiespeicherlösungen mit Batterietechnologien. Unser Mehrwert kommt durch die Integration, Steuerung und den Service des Systems, im Gegensatz zu anderen, die nur die Batterie verkaufen.“

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