Rohöl treibt die Märkte: Brent-Future vor der 100-Dollar-Marke
Die Rohölpreise treiben die Märkte: Brent-Rohöl nähert sich der 100-Dollar-Marke, während US-Futures kaum verändert notieren und die Anleger gespannt auf die Inflationsdaten der kommenden Woche warten.

Die Futures für die US-Aktienmärkte bewegten sich am frühen Mittwoch seitwärts, nachdem die drei großen Leitindizes am Dienstag Verluste hinnehmen mussten. Als Hauptbelastungsfaktor erwiesen sich die abermals kletternden Ölpreise, die infolge der sich zuspitzenden Konflikte zwischen Washington und Teheran immer näher an die psychologische Schwelle von 100 Dollar je Barrel heranrücken. Der Dow-Jones-Future gab um 33 Punkte nach, während die Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 nahezu unverändert blieben.
Die US-Börsen hatten am Montag wegen des Labor Day nicht geöffnet. Am Dienstag büßte der Dow 1,2 Prozent ein und verzeichnete damit seinen schwächsten Handelstag seit annähernd drei Wochen. Der S&P 500 verlor 0,6 Prozent, der Nasdaq Composite gab um 0,3 Prozent nach.
Rohölpreise auf dem Vormarsch
Die Notierungen für Rohöl zogen am Mittwoch weiter an. Die US-Leitfutures für West Texas Intermediate (WTI) zur Oktober-Lieferung stiegen um 1,75 Prozent auf 94,66 Dollar je Barrel. Die Futures für Brent-Rohöl, die internationale Benchmark, gewannen 1,55 Prozent hinzu und notierten bei 99,44 Dollar pro Barrel. Damit ist die runde Marke von 100 Dollar je Barrel in greifbare Nähe gerückt.
Auslöser des Preisauftriebs sind die sich verschärfenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Das US-Militär zerstörte am Dienstag fünf iranische Öltanker als Vergeltungsmaßnahme für versuchte Attacken auf ein amerikanisches Kriegsschiff. Das US-Kriegsschiff habe die iranischen Angriffe erfolgreich abwehren können, und es habe keine Verwundeten auf amerikanischer Seite gegeben, teilte das US Central Command (Centcom) mit. Die Sorge vor weiteren Beeinträchtigungen der Energieversorgung in der Nahost-Region treibt die Preise in die Höhe.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte am Dienstag kurzzeitig über die vielbeachtete Schwelle von 4,8 Prozent. Steigende Ölpreise schüren die Inflationsängste, was wiederum die Aktienmärkte unter Druck setzt. „Das ist ein bisschen wie eine Geschwindigkeitsbremse“, sagte Kara Murphy, Chief Investment Officer bei Kestra Investment Management, im CNBC-Format „Closing Bell“. „Der Fokus auf die Gewinnaussichten tritt in den Hintergrund, die Aufmerksamkeit des Marktes hat sich nun wohl eher auf die Risikoseite verlagert.“
Für Mittwoch stehen keine nennenswerten Konjunkturdaten oder Unternehmenszahlen auf dem Programm. In der kommenden Woche werden die Marktteilnehmer die Inflationsdaten genau im Auge behalten, um Hinweise darauf zu erhalten, wie die US-Notenbank Fed die Leitzinsen justieren könnte.
Europäische Börsen geben nach
Auch in Europa zeichnete sich ein verhaltener Handelsauftakt ab. Die Stoxx-50-Futures gaben vor Börsenstart um 0,48 Prozent nach. Der britische FTSE 100 sollte mit einem Minus von rund 0,43 Prozent eröffnen, während der deutsche DAX um 0,47 Prozent zurückging. Frankreichs CAC 40 fiel um 0,5 Prozent, und Italiens FTSE MIB gab um 0,53 Prozent nach.
Asien-Pazifik-Raum uneinheitlich
Die Börsen im asiatisch-pazifischen Raum zeigten am frühen Mittwoch ebenfalls ein gemischtes Bild. Japans Nikkei 225 verlor 0,23 Prozent, der Topix gab um 0,35 Prozent nach. Südkoreas Kospi legte dagegen um 0,36 Prozent zu, und der Small-Cap-Index Kosdaq stieg um 0,47 Prozent. Australiens S&P/ASX 200 notierte leicht im Plus.
In China ergab sich ein uneinheitliches Bild: Der Hang Seng Index in Hongkong fiel um 0,46 Prozent, während der chinesische CSI 300 um 0,43 Prozent zulegte. Die Veröffentlichung der aktuellen Inflationsdaten für August lieferte Impulse. Der Erzeugerpreisindex (PPI) stieg um 3,8 Prozent und übertraf damit die Ökonomenprognose von 3,6 Prozent sowie den Juli-Wert von 3,5 Prozent. Die Verbraucherpreisinflation (CPI) lag mit 0,8 Prozent im Rahmen der Erwartungen.
Ein Großteil des erwarteten Anstiegs beim PPI sei auf einen günstigen Basiseffekt und höhere Rohstoffkosten zurückzuführen, so Ökonomen, und nicht auf eine echte Belebung der privaten Nachfrage. Diese sei weiterhin schwach geblieben, während die Effekte von Pekings Umtauschprämien und anderen konsumfördernden Maßnahmen nachlassen.
Ausblick: Ölpreis und Inflation im Blickpunkt
Die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten wird maßgeblich von der Ölpreisdynamik und den Inflationserwartungen bestimmt. Sollte Brent-Rohöl die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschreiten, dürfte der Druck auf die Aktienmärkte weiter zunehmen. Die Anleger warten zudem gespannt auf die Inflationsdaten der kommenden Woche, die Hinweise auf den weiteren Zinspfad der US-Notenbank Fed geben könnten.
