Batteriespeicher-Markt wächst: Neues Megaprojekt auf altem Philips-Gelände
Auf dem Gelände der ehemaligen Philips-Fabrik in Aachen entsteht ein neuer Großbatteriespeicher mit zehn Megawatt Leistung, den das Unternehmen Voltfang realisiert. Die Anlage unterstreicht den wachsenden Markt für Speichertechnologie, der trotz regulator

In Aachen hat ein weiterer Großspeicher für Batteriestrom seine Bauphase erreicht. Auf dem Areal der früheren Philips-Produktionsstätte entsteht die Anlage, die künftig überschüssige elektrische Energie aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben kann. Entwickelt wird das Projekt von der ortsansässigen Firma Voltfang. Es unterstreicht den zunehmenden Stellenwert von Batteriespeichern in der deutschen Energielandschaft.
Oberbürgermeister Michael Ziemons zeigt sich angetan von der Entwicklung: "Erst zu Jahresbeginn startete der erste große Speicher in unserer Kommune, nun realisieren wir bereits das zweite Vorhaben." Er lobt den lokalen Unternehmergeist: "Wenn ein Aachener Betrieb demonstriert, wie vorhandene industrielle Bauten für die Energieumstellung nutzbar gemacht werden können, ohne neue Grundstücke zu versiegeln, dann erfüllt mich das mit Stolz auf unseren Wirtschaftsstandort."
Technische Details und Wirkungsweise
Großbatteriespeicher dienen dem Ausgleich von Spannungsschwankungen im Elektrizitätsnetz. Im Kern handelt es sich um computergesteuerte Akkumulatoren: Sie nehmen Energie auf, wenn Strom günstig und reichlich vorhanden ist, und geben sie ab, sobald die Nachfrage steigt oder das Netz stabilisiert werden muss. Die Aachener Einheit ist für eine Kapazität von zehn Megawatt sowie eine Speichermenge von rund 21 Megawattstunden ausgelegt.
Ermöglicht wird dies unter anderem durch einen neu geschaffenen Anschluss an das auf dem Grundstück befindliche Umspannwerk. Vier Container mit Batterien der aktuellsten Großspeicher-Technologie kommen zum Einsatz. David Oudsandji, Mitbegründer von Voltfang, hebt die Synergien hervor: "Industriebrachen wie das ehemalige Philips-Areal bieten oft noch Netzanschlüsse, die durch den Wegfall energiehungriger Fertigung frei wurden." Er ergänzt: "Hier trifft alte Industrie auf neue: Wo einst Elektronikbauteile gefertigt wurden, garantiert künftig ein Batteriespeicher die Netzstabilität." Die Fertigstellung ist für das Jahresende anvisiert.
Bedeutung der Speichertechnologie
Batteriespeicher gelten als essenzieller Bestandteil der Energiewende. Sie können Ökostrom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen puffern und später wieder ins Netz einspeisen. Auf diese Weise lässt sich Energie zeitlich verlagern. Zudem tragen sie dazu bei, Netzüberlastungen zu verringern und teure Eingriffe in das Stromsystem zu vermeiden.
Die Anschaffungskosten für die Technik sind deutlich gefallen. Parallel dazu steht häufig ausreichend Solar- und Windstrom bereit, der in den Anlagen profitabel zwischengelagert werden kann. Der Zubau beschleunigt sich in Deutschland spürbar: Batteriespeicher aller Größenklassen kommen mittlerweile auf eine Gesamtkapazität von rund 29,6 Gigawattstunden, wie die Battery-Charts der RWTH Aachen belegen. Zum Vergleich: Die heimischen Pumpspeicherkraftwerke erreichen etwa 39 Gigawattstunden.
Auch die Internationale Energieagentur (IEA) konstatiert eine zunehmende Relevanz dieser Technologie global. "Aufgrund sinkender Kosten und steigender Flexibilitätsanforderungen spielt die Batteriespeicherung weltweit eine immer wichtigere Rolle in den Stromversorgungssystemen", so die IEA in einer Untersuchung. Der Netzbetreiber Amprion weist darauf hin, dass derartige Speicher unter anderem helfen, Frequenz, Spannung und Leitungsauslastung innerhalb vorgegebener Grenzwerte zu halten.
Hürden und Perspektiven
Ob der gegenwärtige Aufschwung jedoch ungebremst anhält, bleibt fraglich. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) fordert verbesserte Rahmenbedingungen für die Errichtung von Stromspeichern. "Viele Investitionen stehen bereit. Doch zu lange Netzanschlussverfahren und regulatorische Unsicherheiten bremsen den Ausbau", mahnt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. "Hier muss die Politik dringend handeln."
Zwar sind weitere Vorhaben in der Planungsphase, ihre Umsetzung sei jedoch mit beträchtlichen Risiken behaftet. Der Solarverband warnt, der Ausbau dürfe "nicht an vermeidbaren bürokratischen und regulatorischen Hindernissen scheitern". Batteriespeicher seien "eine Schlüsseltechnologie" für das Gelingen der Energiewende.
Für Anleger bleibt der Batteriespeicher-Sektor attraktiv. Fallende Kosten und der steigende Bedarf an Netzstabilität befeuern die Nachfrage. Gleichzeitig deuten die regulatorischen Hindernisse darauf hin, dass sich der Markt noch in einem frühen Stadium befindet. Wer in dieses Segment investieren möchte, sollte die politischen Weichenstellungen genau verfolgen.
