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Daimler Truck steckt Milliarden in Wasserstoff-Brennstoffzellen für Lkw

Daimler Truck investiert bis 2030 einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Brennstoffzellen-Technologie und hält an der Zwei-Antriebs-Strategie fest, während parallel erste E-Lkw an Amazon ausgeliefert werden.

• 3 Min
Daimler Truck steckt Milliarden in Wasserstoff-Brennstoffzellen für Lkw

Daimler Truck beharrt auf dem Wasserstoff-Kurs. Konzernchefin Karin Rådström teilte der dpa mit, dass bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts ein Betrag im mittleren dreistelligen Millionenbereich in die Brennstoffzellen-Sparte fließen soll. Der im DAX notierte Konzern mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart möchte damit eine echte Option zu batterieelektrischen Lösungen schaffen.

"Wir haben bereits erheblich in E-Fahrzeuge investiert, doch nun legen wir noch einmal kräftig nach, um Wasserstoff zum Durchbruch zu verhelfen", erläuterte Rådström. Diese Ankündigung erfolgt in einem Marktumfeld, in dem zahlreiche andere Fahrzeughersteller ihre Wasserstoff-Programme reduzieren. Genau hier will Daimler Truck Akzente setzen.

Bedeutung von Wasserstoff im Energiemix

Die Bekämpfung des Klimawandels sieht Rådström als treibende Kraft. "Wenn man beobachtet, dass viele Autohersteller beim Thema Wasserstoff kürzertreten, ist es uns ein Anliegen, klarzustellen: Wasserstoff ist im Lkw-Sektor definitiv ein Bestandteil der Lösung für die Dekarbonisierung Europas", so die Konzernchefin. Der Fahrzeugbauer bleibe auf zwei Gleisen unterwegs – je nach Anforderung der Kunden könnten beide Technologien ihre Daseinsberechtigung haben.

Ausschlaggebend für die Antriebswahl seien die länderspezifischen Kosten für Strom und Wasserstoff sowie das Vorhandensein der entsprechenden Infrastruktur. Für Transportunternehmen mit langen Strecken und schweren Nutzlasten bietet Wasserstoff deutliche Vorzüge: Lkw legen pro Tag bis zu 800 Kilometer zurück und befördern Fracht im Tonnenbereich. Wasserstoff wiegt weniger als schwere Akkupakete, und das Betanken geht schneller vonstatten als das Aufladen.

Industrie und Tankinfrastruktur als entscheidende Faktoren

Neben der Logistikbranche könnten auch die Stahl- und Chemieindustrie von der Wasserstofftechnologie profitieren. Sie fungiert als sauberer Energieträger und Speichermedium für die Energiewende. Allerdings bestehen weiterhin Hindernisse: Die Tankstellen-Infrastruktur ist im Vergleich zur E-Mobilität nur schwach ausgebaut, und Wasserstoff bleibt ein teurer Energieträger.

Die Umweltverträglichkeit hängt zudem maßgeblich von der Produktionsmethode ab. "Grüner Wasserstoff" wird per Elektrolyse mit Ökostrom aus Wind- oder Solarenergie gewonnen und emittiert nahezu kein CO2. Kommt dagegen Erdgas zum Einsatz, entsteht klimaschädliches Kohlendioxid. Batterien gelten gegenwärtig als effizienter – ein Plus für E-Fahrzeuge im Nahverkehr und auf moderaten Fernstrecken.

Kooperationen und erste Fahrzeugübergaben

Vergangene Woche gab Daimler Truck bekannt, gemeinsam mit Firmen aus den Bereichen Transport, Energie und Industrie an einem Wasserstoff-Ökosystem zu arbeiten. Konkrete Einzelheiten sollen auf der IAA Transportation in Hannover in der kommenden Woche präsentiert werden. "Wir möchten nicht den gleichen Fehler wiederholen, der im Bereich der Elektromobilität gemacht wurde. Daher versuchen wir, frühzeitig Kooperationen zu schmieden und sicherzustellen, dass sich das gesamte Ökosystem entwickelt", erklärte Rådström.

Parallel dazu forciert der Konzern die Elektromobilität. Der Online-Händler Amazon möchte sein Transportsystem mit batteriebetriebenen Lkw von Daimler Truck umweltfreundlicher gestalten. Bis Jahresende sollen über 50 dieser E-Lastwagen für Amazon in Deutschland im Einsatz sein. Am Mittwoch erfolgte die offizielle Übergabe der ersten 27 Mercedes-Benz eActros 600 an Amazon. Bereits Anfang 2025 hatte Amazon einen Vertrag über mehr als 200 Fahrzeuge dieses Typs unterschrieben.

Bewertung aus Anlegersicht

Daimler Truck setzt auf eine klare Zwei-Antriebs-Strategie und investiert beträchtliche Summen in beide Technologien. Während die E-Mobilität bereits konkrete Auslieferungen und Kundenverträge vorweisen kann, befindet sich Wasserstoff noch im Aufbaustadium. Für Investoren bleibt abzuwarten, wie rasch sich das Wasserstoff-Ökosystem etabliert und ob die Kosten für die Technologie konkurrenzfähig werden. Die Zusammenarbeit mit Amazon belegt jedoch, dass die Nachfrage nach alternativen Antrieben im Nutzfahrgeschäft deutlich zunimmt – ein interessanter Aspekt auch für Rohstoff-Anleger, da ein Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft direkte Auswirkungen auf die Nachfrage nach Platingruppenmetallen (Brennstoffzellen) sowie auf die Energiemärkte haben dürfte.

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