Eskom-Reform und Ebola-Krise: Südafrika und Kongo unter Druck
Südafrikas Staatsversorger Eskom treibt die Marktliberalisierung voran, während sich die Ebola-Epidemie in der Region weiter ausbreitet. Beide Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf die Rohstoff- und Bergbauindustrie in Zentral- und Südafrika.

Die Demokratische Republik Kongo (DRC) steht am 16. Oktober 2026 im Zentrum zweier paralleler Entwicklungen, die sowohl Zentral- als auch Südafrika betreffen. Einerseits vollzieht der südafrikanische Energiesektor einen radikalen Umbruch, andererseits breitet sich das Ebolavirus in der Region weiter aus. Die Verbindung beider Themen liegt in der Frage, wie stark Infrastruktur und Gesundheitsversorgung in dieser Region miteinander verflochten sind.
Der staatliche Stromversorger Eskom durchläuft in Südafrika einen fundamentalen Wandel. Konzernchef Dan Marokane hat bestätigt, dass das Unternehmen das bisherige Modell der vollständigen Marktbeherrschung aufgibt. Die Trennung in separate Bereiche für Produktion, Transport und Verteilung sei ein "unumkehrbarer" Vorgang. Damit reagiert Eskom auf die Vorgaben der südafrikanischen Regierung, den Strommarkt zu öffnen und das jahrzehntealte Monopol des Versorgers zu beenden.
Gleichzeitig spitzt sich die gesundheitliche Lage zu. Kenia hat offiziell einen zweiten Ebola-Infektionsfall gemeldet. Betroffen ist ein 39-jähriger Angehöriger des ersten Patienten, der am 5. Oktober in einem Krankenhaus in Nairobi verstorben war.
Die Einzelheiten
Nach Jahren der Unbeständigkeit und ständiger Stromausfälle — die vor allem auf Missmanagement während der Zuma-Ära zurückgehen — hat Eskom eine Phase relativer Betriebsstabilität erreicht. Marokane zufolge verfügt das Unternehmen derzeit über drei bis fünf Gigawatt überschüssige Erzeugungskapazität. Ein Teil dieses Überschusses ist auf bessere Leistungswerte zurückzuführen, allerdings räumt der Konzernchef ein, dass die starke Verbreitung privater Solaranlagen und Batteriespeicher bei Unternehmen und Privathaushalten die Nachfrage am nationalen Netz erheblich gesenkt hat.
Um sich den veränderten Marktbedingungen anzupassen, erschließt Eskom neue Einnahmequellen. Das Unternehmen führt aktive Gespräche mit Entwicklern zur Stromversorgung von Rechenzentren, fördert das Wachstum von Bitcoin-Mining-Anlagen und plant den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in ganz Südafrika. Zudem beabsichtigt Eskom, seine Überkapazitäten für eine Ausweitung der Stromgroßexporte zu nutzen, um die finanzielle Lage zu verbessern. Bereits während der jüngsten dürrebedingten Stromknappheit hatte der Versorger das sambische Kupfergürtel-Gebiet beliefert. Marokane verwies auf ein starkes Interesse der DRC, auf südafrikanische Überschussenergie zuzugreifen, um Bergbau-Erweiterungen voranzutreiben.
Trotz des Marktanteilsverlusts an neue Erzeuger und Verteiler bleibt Eskom nach Marokanes Aussage eine dominante Größe im regionalen Stromverbund und liefert derzeit 85 bis 90 Prozent des südafrikanischen Stroms. Das Unternehmen will Kunden zudem bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen, indem es das Angebot an erneuerbaren Energien ausbaut — auch wenn es weiterhin auf einen veralteten Bestand an Kohlekraftwerken angewiesen ist.
Die Ausweitung des Ebola-Ausbruchs wirft erhebliche Fragen zur regionalen Grenzsicherung und Überwachung auf. Der erste Patient, ein kenianischer Einwohner der DRC, hatte etwa einen Monat lang Symptome gezeigt, bevor er auf dem Landweg nach Uganda reiste und anschließend am 3. Oktober nach Nairobi flog. Bemerkenswert ist, dass der Patient die Grenze zwischen der DRC und Uganda überqueren konnte, obwohl diese seit Mai offiziell geschlossen ist — ein Hinweis auf mögliche Schwachstellen in den regionalen Eindämmungsmaßnahmen.
Die aktuelle Epidemie wird durch den seltenen Bundibugyo-Stamm des Virus ausgelöst und ist der zweitgrößte Ausbruch, der weltweit jemals registriert wurde. Die Gesundheitsbehörden verzeichnen mehr als 8.000 Fälle und über 4.000 Todesfälle. Kenia ist nun das vierte Land, das einen mit dem DRC-Ausbruch in Verbindung stehenden Fall meldet — nach Fällen in Uganda und einem Arzt, der im Juni nach Frankreich zurückkehrte. Uganda war im August nach 20 Fällen und zwei Todesopfern für Ebola-frei erklärt worden. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen übertragen.
Hintergrund: Bisherige Entwicklungen
Bereits am 16.07.2026 hatte aktien.news darüber berichtet, dass ein sich verschlimmernder Ebola-Ausbruch in der DRC eine strategisch bedeutende Mineralienpartnerschaft zwischen Washington und Kinshasa behindert. Reisebeschränkungen und Quarantäneauflagen zwangen Beamte und Investoren, geplante Treffen zu verschieben oder abzusagen. Der Ausbruch war Mitte Mai ausgerufen worden und hatte damaligen Angaben der kongolesischen Regierung zufolge 2.011 Menschen infiziert und 754 Todesopfer gefordert. Die US-Botschaft in Kinshasa reagierte am 11. Juli mit einer eindringlichen Warnung an US-Bürger.
Am 04.08.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa entscheidende Weichen für die Transformation des Energiesektors gestellt hat. Am 31. Juli billigte er offiziell den Phase-I-Bericht des Eskom Restructuring Task Team (ERTT). Diese Zustimmung gilt als klares politisches Signal, dass die Regierung an ihrem Ziel eines unabhängigen Übertragungsnetzbetreibers (Transmission System Operator, TSO) festhält.
Am 16.09.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die DRC im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Rekord bei den Kupferexporten erzielt hat. Die Ausfuhren stiegen von Januar bis Juni auf 1,72 Millionen Tonnen, nach 1,65 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Kupferverkäufe in die USA und nach Europa im Vergleich zu 2025 verdoppelt, da Kinshasa seine Exporte weg von China diversifiziert.
Erst am 06.10.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass Eskom in Kürze eine bedeutende Ankündigung zur Förderung des Baus von Rechenzentren in Südafrika machen werde. Der Minister für Elektrizität und Energie, Dr. Kgosientsho Ramokgopa, gab dies auf der Windkraftkonferenz Windaba 2026 im Cape Town International Convention Centre bekannt. Die Regierung ist überzeugt, dass Südafrika mindestens 0,4 GW der wachsenden weltweiten Nachfrage nach Rechenzentren für sich gewinnen kann. Ramokgopa betonte, dass das mit Rechenzentren verbundene Wasser recycelt werde.
