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EU-Meilenstein: INEOS eröffnet erste CO₂-Speicherstätte in der Nordsee

Mit "Greensand" nimmt die erste vollwertige CO₂-Speicheranlage der EU den Betrieb auf. Das INEOS-Projekt in der Nordsee könnte als Blaupause für die Dekarbonisierung der Industrie dienen und lenkt Investitionen in CCS-Technologien.

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EU-Meilenstein: INEOS eröffnet erste CO₂-Speicherstätte in der Nordsee

Die Europäische Union hat einen klimapolitischen Meilenstein erreicht: Seit Freitag ist mit dem Vorhaben "Greensand" die erste vollwertige CO₂-Speicheranlage der EU in Betrieb. Das britische Unternehmen INEOS meldete den Start des Projekts, das Kohlendioxid unter der Nordsee einlagern wird.

In der Startphase vermag Greensand jährlich bis zu 400.000 Tonnen CO₂ zu speichern. Die Anlage ist jedoch so konzipiert, dass die Kapazität bei voller Auslastung auf vier bis acht Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden kann. Damit reiht sich das Vorhaben in die Reihe zentraler Säulen der europäischen Klimastrategie ein.

Ablauf der CO₂-Einlagerung

Der Prozess beginnt in dänischen Biomethan-Anlagen, in denen das CO₂ abgetrennt und verflüssigt wird. Per Lkw gelangt es anschließend zum Hafen von Esbjerg. Von dort transportiert INEOS das flüssige Kohlendioxid per Schiff zur Einpressung in das ausgebeutete Ölfeld Nini West, das rund 250 Kilometer vor der Küste liegt. Die Injektion erfolgt etwa 1.800 Meter unter dem Meeresboden.

Die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) gilt als vielversprechender Weg, um Emissionen aus industriellen Prozessen dauerhaft aus der Atmosphäre zu entfernen. Kritiker bemängeln jedoch die hohen Kosten sowie die ungeklärten Fragen zur Langzeitsicherheit der unterirdischen Lagerung.

Signalwirkung für Europa

EU-Energie- und Wohnungsbaukommissar Dan Jørgensen äußerte sich in einer Stellungnahme optimistisch: "Wir haben einen Pfad für die europäische Industrie aufgezeigt: Sie kann ihren Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Zukunft fortsetzen und gleichzeitig Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze auf unserem Kontinent bewahren. Zudem eröffnen wir eine neue Front im existenziellen Kampf gegen den Klimawandel."

Die politische Ausstrahlung ist beträchtlich: Greensand ist das erste Vorhaben dieser Art innerhalb der EU. Zwar hatte Norwegens "Northern Lights" bereits im August 2025 mit der CO₂-Speicherung begonnen, doch Norwegen gehört nicht zur Europäischen Union. Dem norwegischen Projekt fehlte daher die unmittelbare integrationspolitische Dimension für den EU-Binnenmarkt.

Perspektiven für die Industrie

Für die deutsche Wirtschaft, die bei der Dekarbonisierung enormen Herausforderungen gegenübersteht, könnte Greensand als Vorbild dienen. Besonders energieintensive Branchen wie Stahl-, Zement- und Chemieindustrie suchen nach Möglichkeiten, ihre unvermeidbaren Restemissionen auszugleichen. Die avisierte Kapazitätsausweitung auf bis zu acht Millionen Tonnen jährlich zeigt, dass INEOS langfristig auf eine deutliche Skalierung des Geschäfts setzt.

Das Projekt unterstreicht zudem die strategische Rolle der Nordsee als europäisches Zentrum für CCS-Technologien. Neben Dänemark arbeiten auch die Niederlande und Deutschland an eigenen Speichervorhaben. Die Inbetriebnahme von Greensand dürfte diese Entwicklung beschleunigen und weiteren Investitionen in die unterirdische CO₂-Speicherung den Weg bereiten. Für Rohstoff-Anleger ist das Vorhaben auch deshalb interessant, weil CCS als Schlüsseltechnologie für die Zukunft emissionsintensiver Industriezweige gilt und entsprechende Investitionsströme in die Nordsee-Region lenken könnte.

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