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Europäische Gaspreise explodieren nach QatarEnergy-Lieferstopp um 50%

Iranische Drohnenangriffe auf Katars Gasanlagen lösen den schwersten Energieschock seit dem Ukraine-Krieg aus.

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Europäische Gaspreise explodieren nach QatarEnergy-Lieferstopp um 50%

Die europäischen Erdgaspreise sind am Montag um fast 50 Prozent in die Höhe geschossen. Auslöser war die Ankündigung von QatarEnergy, die gesamte Erdgasproduktion nach iranischen Drohnenangriffen auf seine Anlagen einzustellen. Das staatliche Unternehmen aus Katar verantwortet knapp 20 Prozent der weltweiten LNG-Exporte (Flüssigerdgas) – ein Ausfall dieser Größenordnung trifft die globalen Energiemärkte mit voller Wucht.

Die niederländischen TTF-Erdgas-Futures – der europäische Leitpreis für Erdgas – stiegen bis 12:50 Uhr GMT um bis zu 49,1 Prozent auf 47,65 Euro pro Megawattstunde. US-amerikanische Erdgas-Futures legten parallel dazu um 6,7 Prozent auf 3,05 Dollar zu. Experten warnen bereits, dass dieser Schock die Gasmärkte stärker erschüttern könnte als der russische Einmarsch in die Ukraine vor vier Jahren.

Goldman Sachs: Preise könnten sich mehr als verdoppeln

Die Investmentbank Goldman Sachs hat in einer aktuellen Analyse konkrete Szenarien für die Preisentwicklung skizziert. Bei einem einmonatigen Stopp des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus könnten die TTF-Gaspreise auf bis zu 74 Euro pro Megawattstunde steigen – das wäre ein Anstieg von 130 Prozent gegenüber dem Freitagsniveau. Sollte die Unterbrechung länger als zwei Monate andauern, hält Goldman Sachs Preise von über 100 Euro pro Megawattstunde für wahrscheinlich.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Energieadern der Welt. Jährlich werden dort rund 80 Millionen Tonnen LNG transportiert, was 19 Prozent des weltweiten Angebots entspricht. Zudem fließen durch die Meerenge fast 20 Millionen Barrel Öl pro Tag – ein Fünftel der globalen Ölproduktion. Saudi-Arabien, der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate exportierten 2025 zusammen 13,1 Millionen Barrel täglich über diese Route.

Der Hintergrund der Eskalation: Israel und die USA haben Militäroperationen gegen die iranische Führung eingeleitet. Der Iran antwortete mit ballistischen Raketen und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel, Bahrain, Kuwait, Katar, Oman, den Emiraten, Saudi-Arabien und Jordanien. Am Wochenende wurden Berichten zufolge drei Öltanker in der Region beschädigt.

Rohölpreise mit historischer Risikoprämie

Auch die Rohölpreise reagierten heftig. Goldman Sachs schätzt, dass die Rohölpreise zum Handelsstart am 1. März bereits eine Risikoprämie von 18 Dollar pro Barrel enthielten – basierend auf einem WTI-Preisanstieg von 15 Prozent über das Wochenende. Diese Prämie entspricht dem 98. Perzentil aller gemessenen Risikoprämien seit 2005 und impliziert, dass der Markt faktisch eine vollständige einmonatige Blockade der Meerenge einpreist.

Für den fairen Ölpreis beziffert Goldman Sachs die Auswirkungen je nach Szenario auf 4 bis 15 Dollar pro Barrel. Bei einer vollständigen einmonatigen Schließung ohne Ausgleich durch Pipelines läge der Aufschlag bei 15 Dollar, bei einer 50-prozentigen Schließung mit Nutzung aller verfügbaren Pipeline-Kapazitäten von rund 4 Millionen Barrel pro Tag nur bei 4 Dollar.

Trotz der aktuellen Turbulenzen hält Goldman Sachs an seiner mittelfristigen Basisprognose für Brent und WTI von 60 bzw. 56 Dollar bis zum vierten Quartal 2026 fest – unter der Annahme, dass es zu keinen dauerhaften Versorgungsunterbrechungen kommt. Für deutsche Verbraucher und Unternehmen, die noch die Energiekrise 2022 in Erinnerung haben, als TTF-Preise kurzzeitig über 300 Euro kletterten, sind die aktuellen Entwicklungen ein deutliches Warnsignal. Schon bei 74 Euro pro Megawattstunde hatte Europa 2022 mit massiven Nachfragerückgängen reagiert.

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