Ölpreise verharren auf Fünf-Monats-Hoch: Geopolitische Risiken treiben Rohstoffmärkte
Die Ölpreise bleiben nahe ihrer Fünf-Monats-Höchstwerte, getrieben von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Versorgungsängsten nach Huthi-Angriffen auf Saudi-Arabien, während Anleger aufgrund breiter Marktkorrekturen parallel einen Goldpreisrückga

Die Ölpreise haben sich am Freitag auf erhöhtem Niveau eingependelt und halten sich nahe ihrer Fünf-Monats-Höchstwerte. Ein Barrel Brent-Rohöl, die internationale Benchmark-Sorte, kostet rund 113,70 US-Dollar, während der US-Referenzwert West Texas Intermediate (WTI) bei etwa 100 US-Dollar liegt. Trotz zwischenzeitlicher Abschläge steuern beide Futures auf eine positive Wochenbilanz zu, wobei Brent den dritten Wochengewinn in Serie verbucht.
Hauptantriebskraft der Preisanstiege bleibt die explosive Gemengelage im Nahen Osten. Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und Investing.com melden, haben intensivierte Attacken der Huthi-Rebellen auf saudische Ziele die Furcht vor ernsthaften Versorgungsengpässen verstärkt. Betroffen waren Regierungsgebäude in Riad, eine Raffinerie des Staatsriesen Saudi Aramco in Yanbu sowie zwei Flughäfen.
Besonders die Räumung des Saudi-Aramco-Hauptquartiers in Dhahran und Meldungen über die Ausreise von Angehörigen amerikanischer Diplomaten aus Riad haben die Marktteilnehmer verunsichert. Volkswirte der ING betonen, dass die Gefahr einer weiteren Zuspitzung am Persischen Golf einen deutlichen geopolitischen Risikoaufschlag auf den Ölpreis rechtfertigt. Zusätzlich belastet ein Förderausfall in Libyen die Versorgung, ausgelöst durch das Schließen eines Pipeline-Ventils.
Die Einzelheiten
Die US-Administration unter Präsident Donald Trump versucht unterdessen, den steigenden Kraftstoffkosten entgegenzusteuern. Mithilfe des Defense Production Act, eines Gesetzes aus der Ära des Kalten Krieges, sollen finanzielle Anreize für die einheimische Öl- und Gasproduktion geschaffen werden. Fachleute zeigen sich jedoch zurückhaltend, ob diese Schritte kurzfristig das Angebot ausweiten können.
Trumps Vorstöße zielen in erster Linie darauf ab, die Energieinflation vor den US-Kongresswahlen am 3. November zu bremsen. Börsenexperten spekulieren darüber hinaus über mögliche militärische Schritte der USA und Israels gegen den Iran nach der Wahl. Parallel bleibt das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine angespannt, was die Sorgen um globale Lieferketten zusätzlich nährt.
Während das Geschehen an den Rohstoffmärkten von der Ölseite dominiert wird, ergibt sich bei anderen Anlageklassen ein differenziertes Bild. Wie Bloomberg berichtet, ist der Goldpreis unter die Schwelle von 4.000 US-Dollar je Unze gefallen und notiert auf dem tiefsten Niveau seit drei Monaten. Dieser Rückgang wird einer breiten Marktkorrektur zugeschrieben, bei der Investoren im Zuge einer Volatilitätswelle bei KI-Unternehmen ihre Portfolios umschichten und vermehrt in US-Staatsanleihen flüchten.
Entwicklung im Rückblick
Der aktuelle Preisschub ist Teil einer längerfristigen Aufwärtsbewegung. Bereits am 17.10.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass der Ölpreis ein Fünf-Monats-Hoch erklommen hatte. Auslöser waren seinerzeit Berichte über saudisch geführte Militäreinheiten, die ballistische Raketen abgefangen haben sollen, die auf einige der wichtigsten Energieanlagen des Königreichs abgefeuert worden waren. Brent Crude schloss am Freitag 3,7 Prozent fester bei 109,86 Dollar pro Barrel, nachdem zuvor erstmals seit Mai die Marke von 110 Dollar erreicht worden war. Auch WTI zog deutlich an, durchbrach erstmals seit einem Monat die 100-Dollar-Marke und beendete den Handel mit einem Plus von 3,5 Prozent bei 101,41 Dollar pro Barrel.
Am 14.10.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die Ölpreise kräftig gestiegen waren, ausgelöst durch zunehmende Ängste vor Versorgungslücken infolge sich verschärfender militärischer Konflikte im Nahen Osten. Die Brent-Futures zur Lieferung im Dezember gewannen 0,8 Prozent auf bis zu 106,58 US-Dollar je Barrel, die WTI-Futures stiegen um bis zu 0,9 Prozent auf 94,94 US-Dollar je Barrel. Im Zentrum der Unruhe standen die Attacken der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien, die seit Anfang Oktober intensiviert wurden.
Bereits am 08.10.2026 hatte aktien.news über deutlich anziehende Ölpreise berichtet. Im Mittelpunkt der Besorgnis stand damals ein NBC-News-Bericht, wonach Präsident Donald Trump und sein nationales Sicherheitsteam darüber beraten haben, die großangelegten US-Militäroperationen im Iran in den kommenden Wochen möglicherweise wiederaufzunehmen. Als Option galten demnach auch Angriffe vor den Halbzeitwahlen im nächsten Monat. Die Brent-Futures zur Lieferung im Dezember legten um 2,14 Prozent auf 102,35 US-Dollar je Barrel zu, die WTI-Futures für November stiegen um 1,78 Prozent auf 89,85 US-Dollar.
Bis in den März reicht die Vorgeschichte: Am 16.03.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass sich die Spannungen im Nahen Osten nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran massiv verschärft hatten. Innerhalb von vier Wochen zogen die Ölpreise um mehr als 40 Prozent an. Brent-Rohöl notierte damals bei rund 104,41 US-Dollar je Barrel, WTI bei 99,25 US-Dollar – der höchste Stand seit 2022. Im Zentrum der Krise stand die Straße von Hormus, durch die vor Kriegsbeginn rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots flossen. Der Iran hatte den Schiffsverkehr dort weitgehend lahmgelegt und damit die globale Energieversorgung gefährdet. Besonders kritisch war die Lage auf der Insel Kharg, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.
Bedeutung für Rohstoff-Anleger
Für Anleger mit Fokus auf Rohstoffe bedeutet die aktuelle Gemengelage eine fortgesetzt hohe Unsicherheit. Der Ölmarkt wird derzeit weniger von fundamentalen Angebots-Nachfrage-Daten determiniert als von geopolitischen Entwicklungen. Die ING-Analysten sehen die Gefahr einer Eskalation im Persischen Golf als hinreichend an, um einen substanziellen geopolitischen Risikoaufschlag zu rechtfertigen – ein Indiz dafür, dass ein Teil des aktuellen Preisniveaus politisch und nicht ökonomisch begründet ist.
Gleichzeitig illustriert der Blick auf andere Anlageklassen, wie stark die Märkte derzeit in Bewegung sind. Der Goldpreis fiel unter 4.000 US-Dollar je Unze und markierte damit den tiefsten Stand seit drei Monaten, während Anleger in US-Staatsanleihen auswichen.
